Gute Kritiken hatte er schon in den 70er Jahren
Paul-Erich Frielinghaus spielt in der ZDF-Serie „Ein Fall für zwei'
Von Thomas Schafranek
Hünfeld. Kennen Sie eigentlich Dr. Markus Lessing? Nein? Aber Matula, Privatdetektiv Josef Matula, den kennen Sie doch, oder? Dann ahnen Sie bereit«, wer Rechtsanwalt Dr. Markus Lessing ist. Richtig! Lessing ist der Advokat auf dem ZDF-Krimi-Quotenhit „Ein Fall für zwei". Und: Dr. Lessing alias Paul-Erich Frielinghaus ist ein waschechter Hünfelder. Kindheit und Jugend verbrachte er in der Haunestadt.
Erst nach dem Abitur an der Wigbert-Schule und anschließendem Zivildienst beim DRK zog es Frielinghaus in die Ferne. Er wollte auf die Bretter, die die Welt bedeuten und hat es geschafft. Mit der Anwalts-Rolle ist ihm nun der große Durchbruch gelungen. Kaum eine andere Serie lockt so viele Zuschauer vor den Schirm wie diese. Einmal im Monat, am Freitagabend, ist Frielinghaus zur besten Sendezeit zu sehen.
Der
42-Jährige erinnert sich gern an Details seiner Hünfelder Zeit: „Ich habe tolle
Erinnerungen, jeder kannte irgendwie jeden. Ich kam mir vor wie in einer großen
Familie." Immer wieder kommt er auch heute noch in seine Heimatstadt und besucht
seine Eltern. Bindungen hat er auch noch zu einigen früheren Freunden, mit denen
er von Zeit zu Zeit telefoniert.
Die Liehe zur Schauspielerei hat er schon früh in der Schultheater-AG der Wigbert-Schule entdeckt. Unter Leitung der damaligen Studienrätin Christine van Endert spielte der Schulsprecher Frielinghaus 1977 in „Antigone" von Jean Anouilh. Ein Jahr später mimte er den „Ochsenspieß" in der Komödie „Meine Hyazinthe" von Eugene Labiche. Schon damals waren ihm gute Kritiken gewiss. Christoph A. Brandner schrieb in der Fuldaer Zeitung: „Paul-Erich Frielinghaus demonstrierte als Ochsenspieß die Oberflächlichkeit und raffinierte Glatte des eleganten Freiers mit einem erstaunlichen Repertoire an mimischen und gestischen Ausdrucksmöglichkeiten."
Trotz dieser Erfolge am Theater wollte er eigentlich Biologe werden und beschäftigte sich viel mit Mathematik und Informatik. 1978 belegte er auf Bundesebene den fünften Platz bei „Jugend forscht". Frielinghaus gewann dabei eine Reise nach Israel. Ein Wissenschaftler verdeutlichte ihm dort die Langwierigkeit von Forschungsarbeiten. Das war nun doch nicht seine Sache. Er entschied sich um und landete schließlich bei der Schauspielerei.
Seit 1988 ist Berlin seine Wahlheimat. Hier spielte er Theater, hier wurde er für das Fernsehen entdeckt. Für eine geplante Verfilmung des Buchs „Abgang" vom ehemaligen RAF-
Terroristen Peter-Jürgen Hook fand 1990 ein Casting statt. Auch Paul Frielinghaus war dabei. Und obwohl „Abgang" nie gedreht wurde, sah „jemand wichtiges aus der Fernsehbranche" das Casting-Video und befand: „Den sollte man mal irgendwo einsetzen." Gesagt, getan. Frielinghaus bekam die Rolle des Lehrers in der erfolgreichen ARD-Vorabendserie „Nicht von schlechten Eltern", die in Bremen unter anderem auch mit Tina Ruland gedreht wurde. In den Drehpausen spielte Frielinghaus 1993 noch einmal Theater, und zwar in Japan und Usbekistan im Rahmen einer deutsch-japanischen Co-Produktion. Seitdem hat der heutige Matula-Gefährte keine Zeit mehr für das Theater, was er durchaus bedauert. „Denn dort hat man den gewissen Adrenalin-Kick, ist naher dran am Zuschauer und Spürt, ob man ankommt oder nicht."
Aber das ist Geschichte. Seine Fernsehrolle als Rechtsanwalts Lessing gefällt ihm ausgezeichnet. Besonders die Zusammenarbeit mit „Matula" macht ihm Spaß. „Der Claus-Theo und ich, wir wissen, was wir aneinander haben", erklärt Frielinghaus. Gärtner sei ein äußerst „kameradschaftlicher Mitspieler, der trotz seiner enormen Berufserfahrung ein Mensch ohne jegliche Starallüren geblieben ist". Das fiel dem Diplom-Schauspieler bereits bei den Probeaufnahmen für die Rolle auf. Vier Szenen aus alten Drehbüchern musste er zusammen mit Gärtner spielen. Schnell war klar, dass die Chemie zwischen beiden stimmte. Aus Frielinghaus wurde Lessing. Erst zwei läge vor den Proben war seine Agentur angerufen worden mit dem Hinweis, er solle in nächster Zukunft keine Termine mehr annehmen. Befürchtungen, als Seriendarsteller in eine Schublade gedrängt zu werden, aus der es kein Entkommen mehr geben könnte, hat er nicht. Schließlich sei „Ein Fall für zwei" ein „edles Format", das nur einmal im Monat zu sehen ist: „Bei einer Daily Soap hätte ich mir das sicher anders überlegt."
Die Firma Odeon mit Sitz in Wiesbaden produziert das ZDF-Krimi-Flaggschiff. Deshalb hat Frielinghaus hier auch eine kleine Wohnung. Denn gedreht wird an 13 bis 15 Werktagen im Monat im Rhein-Main-Geblet, unter anderem In Wiesbaden, Frankfurt und Mainz. Nach gut drei Wochen ist eine Folge im Kasten, Frielinghaus hat „Freizeit", die er mit seiner Lebensgefährtin verbringt. Hier brütet er dann schon über dem neuen Drehbuch, das bis zu 110 Seiten dick ist. „Anwalt Lessing redet fatalerweise ziemlich viel", schmunzelt Frielinghaus. Beim Lernen hilft ihm oft ein Diktiergerät, dass er mit den gesamten Dialogen bespricht. „Und irgendwann kennt man dann die Szene auswendig."
Für die Zukunft wünscht er sich ein Engagement in einem abgeschlossenen Fernsehfilm. Auch das Drehen im Ausland würde ihn mächtig reizen: „Wie gesagt, mich hat es schon immer in die Ferne gezogen." Aber das ist Zukunftsmusik. Derzeit bereitet sich Paul Frielinghaus intensiv auf die Rolle seines Lebens vor. Er wird Vater. Freundin Nina und er erwarten ihr erstes gemeinsames Kind.
Quelle: Marktkorb Nummer 47, 21. November 2001
Früher Start im Schultheater
Hünfeld (ths). Paul Erich Frielinghaus wurde im Dezember 1959 in Darmstadt geboren. Bereits ein Jahr später erhielt sein Vater Ekkehard Frielinghaus eine Stelle als Amtstierarzt In Hünfeld. Die Familie siedelte in die Haunestadt um. Ziel war die Bachstraße. 1966 wurde Frielinghaus in die Paul-Gerhard-Schule eingeschult, ab Herbst besuchte er das Wigbert-Gymnasiuin. Schon ab 1970 stand er dann auf den Brettern, die für ihn die Welt bedeuteten und spielte begeistert Schultheater. Da er auch musikalisch hoch interessiert war, lernte er das Cellospiel.
Nach dem Abitur 1978 leistete Frielinghaus Zivildienst beim Roten Kreuz in Hünfeld, eine für ihn erfahrungsreiche Zeit, während der er weiterhin Schultheater spielte. In dieser Phase reifte in ihm die Idee, sich an einer Schauspielschule zu bewerben. Bei den ersten beiden Aufnahmeprüfungen fiel er „gnadenlos durch", in der dritten in München stand er dann bereits in der Endrunde. Aber erst in Hannover wurde er schließlich aufgenommen.
Vier Jahre studierte Frielinghaus in der niedersächsischen Hauptstadt und schloss mit einem Diplom ab. Danach begann für ihn eine „Ochsentour" mit mehreren Vorsprechterminen an kleineren Theatern. In Würzburg folgte dann sein erstes Engagement. Drei Jahre blieb er und spielte unter anderem die Hauptrolle in „Romeo und Julia".
Danach packte ihn die Ungeduld, er suchte das Leben in der Großstadt und landete 1988 in Berlin. „Ich hatte keine Anstellung und gerade einmal Anspruch auf ein Jahr Arbeitslosengeld", erzählt Frielinghaus. Über Wasser hielt er sich unter anderem mit Sprecherrollen im Hörfunk. Doch mit der Zeit setzte sich Frielinghaus durch und erhielt Engagements an verschiedenen Berliner Theatern. Auch in Hamburg gab er ein Gastspiel von drei Monaten.
1992 kam der Einstieg ins Fernsehen. Unter anderem spielte Frielinghaus in „Nicht von schlechten Eltern" (ARD), „Girlfriends" (ZDF), „Unser Charlie" (ZDF), „Im Namen des Gesetzes" (RTL) und verschiedenen anderen Produktionen bei Arte und Pro 7. Seit April 200 spielt er den Anwalt Dr. Markus Lessing in der ZDF-Krimiserie „Ein Fall für zwei".
Quelle: Marktkorb Nummer 47, 21. November 2001
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